Gedanken zum Bürokratismus

Der klassische Typus des Bürokraten aus dem alten Regime begegnet einem heutzutage als Seltenheit, welche sich höchstens auf irgendeinem geringen Posten erhalten konnte, als Leiter der Kanzlei eines Gouvernementsarchives, oder eines statistischen Büros, oder einer Sonderkomission bei der Landesverwaltung des Gouvernements.
In jenen Einrichtungen aber, die von der Art ihrer Bestimmung her eine enge Berührung mit den Massen haben, oder ihre Arbeit eng mit einem Dutzend anderer Einrichtungen verbinden, hat sich der Situation entsprechend ein neuer Typus des sowjetischen Bürokraten entwickelt.
Es gibt aktive und passive Bürokraten.
Der passive ist weniger schädlich. Weiterlesen

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Das Märchen vom armen Greis und vom stolzen Buchhalter

Es lebte einst im Dörfchen Jagwinskaja, des Iljin-Gebietes, der arme Mann Jegor Makruschin. Und solch ein verzwicktes Leben hatte dieser Greis, dass wie er sich auch schlug, wie er sich auch wand, ihm vom Schicksal doch kein Glück beschieden war, – obwohl er von morgens bis nachts in der Erde wühlte, und die Alte die Hausarbeit machte, und sogar der schwanzlose Köter die Gurken im Garten vor räuberischen Jungs bewachte, die zwar eigene Gurken im Überfluss hatten – doch nein, es müssen die Gurken des Alten sein.
Und eines Tages plagte den Greis bittere Armut, die Alte sammelte ihm ein Bündel und so ging der Alte Glück-Arbeit suchen. Zurück kam er nach einigen Monaten, brachte weder Geld noch ein Geschenk mit, aber dafür brachte er der Alten ein gutes Wort.
– Ich war, – sagte er, – in der feinen Stadt Tschermos, hab bei dem reichen Herren Kammetall gearbeitet, hab soviel Geld verdient, dass es für eine ganze Kuh zwar nicht reicht, aber für ein Kälbchen durchaus, und auch noch ein Ferkel dazu. Nur wegen dem Geld hat man mir geheißen später zu kommen, nachdem die BILANZ GEZOGEN WIRD. Weiterlesen

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Sprachgewalt – Johannes Scherr, ein bürgerlicher Demokrat

Johannes Scherr - die schnaubende Sprachgewalt

Johannes Scherr wurde am 3. Oktober 1817 in Hohenrechberg bei Gmünd geboren. Nach einer Ausbildung am Gymnasium in Gmünd und Universitäten in Zürich und Tübingen wurde er Lehrer und ließ sich 1843 in Stuttgart nieder. Mit der Streitschrift „Württemberg im Jahr 1844“ betrat Scherr hier die Bühne des Kampfes um demokratische Freiheit. Während der Revolution von 1848 wurde er als jüngster Abgeordneter in die württembergische Abgeordnetenkammer und in den Landesausschuss gewählt. Aufgrund seines demokratischen Engagements musste er nach der Auflösung der Kammer 1849 in die Schweiz fliehen. Einige Zeit verbrachte er in Winterthur und widmete sich schriftstellerischen Tätigkeiten. Dies setzte er fort, als er 1860 zum Professor für Geschichte und Literatur an das eidgenössische Polytechnikum in Zürich berufen wurde. Bis an sein Lebensende am 21. November 1886 blieb er eine schaffende Persönlichkeit.

Johannes Scherr hinterließ ein umfangreiches schriftstellerisches Werk, welches sich in die beste, weil aufrechte Tradition der bürgerlichen Demokratie einordnet. Er besaß einen klaren Standpunkt – und von diesem heraus beurteilte er voller Leidenschaft und Biss die gesellschaftlichen, historischen und literarischen Ereignisse, denen er sich verschrieben hatte. Etwas, was Demokraten heute meist völlig abgeht. In seiner Leidenschaftlichkeit erlag allerdings auch Scherr dem Drang nach der „nationalen Einheit“ – den patriotischen Stimmungen, die als Folge der deutschen Kleinstaaterei in der demokratischen Bewegung feste Verankerung fanden.
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RUDOLF ROCKER SOLL VERSCHWINDEN

Erklärung des Instituts für Syndikalismusforschung

Das Institut für Syndikalismusforschung legt seinen Schwerpunkt auf die Erforschung und Begleitung der syndikalistischen Bewegung im deutschsprachigen Raum.

Durch eigene ehrenamtliche Fleißarbeit und die Zuarbeit von solidarischen Historikern und Forschern haben wir seit 2007 eine umfangreiche und stets wachsende Datenbank zur Geschichte der deutschsprachigen syndikalistischen Bewegung aufgebaut – http://www.syndikalismusforschung.info. Das Institut unterhält dabei weltweit fruchtbare Korrespondenzen mit zahlreichen Historikern, Publizisten und Forschungseinrichtungen.

Jedoch gibt es nicht nur solidarische Forscher. Am 1. Juni 2011 sind alle Texte des bedeutendsten anarcho-syndikalistischen Denkers, Rudolf Rocker (1873-1958), aus unserer Datenbank entfernt worden.

Ein gewisser Heiner Becker erhebt ausschließlichen Anspruch auf alle Rechte am literarischen Werk Rudolf Rockers. Leider hat er sich nicht selbst mit uns in Verbindung gesetzt, sondern dies der Staatsanwaltschaft Münster und einem Rechtsanwaltsbüro übertragen.

Wir sind der Unterlassungsaufforderung nachgekommen, denn es liegt nicht in unserer Absicht, den Geldbeutel eines Kleingeistes zu bedienen – wozu wir anderenfalls gezwungen wären.

Allerdings halten wir Heiner Beckers Vorgehen für unwürdig und inakzeptabel. Wir haben kein Verständnis dafür, dass das literarische Werk Rudolf Rockers durch Besitzansprüche eines Einzelnen der Öffentlichkeit vorenthalten werden soll.

Wir halten es für einen Skandal, dass dieser sog. „Rechteinhaber“ es seit 1999 nicht fertig bringt, auch nur ein einziges Buch Rudolf Rockers herauszubringen, geschweige denn sein Gesamtwerk der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dabei ist er offenbar durchaus befähigt, andere daran zu hindern.

Wir hoffen, dass dieses Vorgehen, welches einem Vergessen Rudolf Rockers Vorschub leistet, allen mit dem Thema vertrauten Einzelpersonen, Forschungseinrichtungen und auch den Nachkommen Rockers zu Gehör kommt, und diese daraus entsprechende Konsequenzen ziehen werden.

Wir erklären uns ausdrücklich mit allen solidarisch, die aufgrund von Rocker-Publikationen durch Klagen betroffen sind. Rudolf Rocker gehört der progressiven Menschheit und keinem Privatkläger.

Institut für Syndikalismusforschung, Bremen, Juni 2011

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Kaperfahrt nach Palmares

Oliver Steinke trat bereits in der Vergangenheit mit guten historischen Romanen in Erscheinung. Immer bildeten dabei soziale Kämpfe und das Streben nach Freiheit den Hintergrund.

Auch in seinem neuen Roman führt uns der Autor in eine abenteuerliche Zeit – aus dem irischen Unabhängigkeitskrieg geht es direkt in die Piratenwelt der Karibik.

Das Buch ist die erste Veröffentlichung des 2011 in Neustadt an der Weinstraße gegründeten Dutschke-Verlages. Schon der Titel „Kaperfahrt nach Palmares, oder die wahre Geschichte des irischen Piraten Hugh O Driscoll“ erinnert an Sensations- und Kolportageromane vergangener Zeiten – und die Handlung ist dabei nicht weniger abenteuerlich.

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„DIE TODTENFELDER VON SIBIRIEN“ – Bakunin läßt grüßen (aktualisiert am 31.03.2011 und 14.04.2013))

Fünfmal klopfte Bakunin an die eiserne Tür

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts mit einer Blütezeit bis zum ersten Weltkrieg und später bis in die 60-er Jahre des 20. Jahrhunderts hinein, fand in Deutschland eine eigenartige und heute nahezu vergessene Literaturgattung weite Verbreitung – der Kolportageroman.

Der Kolportageroman erschien in Fortsetzungen, die ein bis dreimal wöchentlich in Zehnpfennigheften vertrieben wurden – einem Preis, der im Gegensatz zu gebundenen Gesamtwerken auch für die unteren Schichten erschwinglich war. Fortsetzungsromane fanden sich daher in jedem Haushalt. Der Vertrieb wurde mobil, durch Hausierer realisiert, wodurch sich auch der Name „Hintertreppenroman“ einbürgerte. Es handelte sich um Massenliteratur, die Qualität des Druckes und des Papieres war zudem schlecht, so dass sich die in gewaltigen Auflagen produzierten Werke schnell abnutzten. Auch wurden sie im häuslichen Gebrauch zweckentfremdet – d.h. sie wurden nach der Lektüre, gleich Zeitungen heute, für diverse praktische Zwecke eingesetzt. So hat sich kaum ein Werk bis heute erhalten können. War die schlechte Produktionsqualität ein Makel dieses Lesestoffes, so war die soziale Brisanz ein weiterer.

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Alexander Graf Stenbock-Fermor – Kurzbiografie

geb. 30.01.1902 in Nitau, gest. am 08.05.1972 in Westberlin

meine erlebnisse als bergarbeiter 2Alexander Stenbock-Fermor, ein Großneffe von Peter Kropotkin, arbeitete zu Beginn der 20-er Jahre als Bergarbeiter im Ruhrgebiet. Hier in Hamborn, damals einer syndikalistischen Hochburg, sammelte er den Stoff für sein erstes Buch – „Meine Erlebnisse als Bergarbeiter“. Die Position Stenbock-Fermors wandelte sich mit der Zeit. Nahm er am Russischen Bürgerkrieg noch als überzeugter Weißgardist teil, machte er in der deutschen Emigration eine Wandlung zum Kommunisten durch. Anfang der 30-er Jahre vertrat er die nationalbolschewistische Linie der KPD, während des Nationalsozialismus bewahrte er nach Möglichkeit eine oppositionelle Haltung, und ergriff nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Partei für die Entwicklung in der entstehenden DDR. Die politische Wandlung Stenbock-Fermors zieht sich auch durch sein literarisches Werk, und ist damit für die Syndikalismusforschung von Interesse.
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