Sprachgewalt – Johannes Scherr, ein bürgerlicher Demokrat

Johannes Scherr - die schnaubende Sprachgewalt

Johannes Scherr wurde am 3. Oktober 1817 in Hohenrechberg bei Gmünd geboren. Nach einer Ausbildung am Gymnasium in Gmünd und Universitäten in Zürich und Tübingen wurde er Lehrer und ließ sich 1843 in Stuttgart nieder. Mit der Streitschrift “Württemberg im Jahr 1844″ betrat Scherr hier die Bühne des Kampfes um demokratische Freiheit. Während der Revolution von 1848 wurde er als jüngster Abgeordneter in die württembergische Abgeordnetenkammer und in den Landesausschuss gewählt. Aufgrund seines demokratischen Engagements musste er nach der Auflösung der Kammer 1849 in die Schweiz fliehen. Einige Zeit verbrachte er in Winterthur und widmete sich schriftstellerischen Tätigkeiten. Dies setzte er fort, als er 1860 zum Professor für Geschichte und Literatur an das eidgenössische Polytechnikum in Zürich berufen wurde. Bis an sein Lebensende am 21. November 1886 blieb er eine schaffende Persönlichkeit.

Johannes Scherr hinterließ ein umfangreiches schriftstellerisches Werk, welches sich in die beste, weil aufrechte Tradition der bürgerlichen Demokratie einordnet. Er besaß einen klaren Standpunkt – und von diesem heraus beurteilte er voller Leidenschaft und Biss die gesellschaftlichen, historischen und literarischen Ereignisse, denen er sich verschrieben hatte. Etwas, was Demokraten heute meist völlig abgeht. In seiner Leidenschaftlichkeit erlag allerdings auch Scherr dem Drang nach der “nationalen Einheit” – den patriotischen Stimmungen, die als Folge der deutschen Kleinstaaterei in der demokratischen Bewegung feste Verankerung fanden.
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RUDOLF ROCKER SOLL VERSCHWINDEN

Erklärung des Instituts für Syndikalismusforschung

Das Institut für Syndikalismusforschung legt seinen Schwerpunkt auf die Erforschung und Begleitung der syndikalistischen Bewegung im deutschsprachigen Raum.

Durch eigene ehrenamtliche Fleißarbeit und die Zuarbeit von solidarischen Historikern und Forschern haben wir seit 2007 eine umfangreiche und stets wachsende Datenbank zur Geschichte der deutschsprachigen syndikalistischen Bewegung aufgebaut – www.syndikalismusforschung.info. Das Institut unterhält dabei weltweit fruchtbare Korrespondenzen mit zahlreichen Historikern, Publizisten und Forschungseinrichtungen.

Jedoch gibt es nicht nur solidarische Forscher. Am 1. Juni 2011 sind alle Texte des bedeutendsten anarcho-syndikalistischen Denkers, Rudolf Rocker (1873-1958), aus unserer Datenbank entfernt worden.

Ein gewisser Heiner Becker erhebt ausschließlichen Anspruch auf alle Rechte am literarischen Werk Rudolf Rockers. Leider hat er sich nicht selbst mit uns in Verbindung gesetzt, sondern dies der Staatsanwaltschaft Münster und einem Rechtsanwaltsbüro übertragen.

Wir sind der Unterlassungsaufforderung nachgekommen, denn es liegt nicht in unserer Absicht, den Geldbeutel eines Kleingeistes zu bedienen – wozu wir anderenfalls gezwungen wären.

Allerdings halten wir Heiner Beckers Vorgehen für unwürdig und inakzeptabel. Wir haben kein Verständnis dafür, dass das literarische Werk Rudolf Rockers durch Besitzansprüche eines Einzelnen der Öffentlichkeit vorenthalten werden soll.

Wir halten es für einen Skandal, dass dieser sog. „Rechteinhaber“ es seit 1999 nicht fertig bringt, auch nur ein einziges Buch Rudolf Rockers herauszubringen, geschweige denn sein Gesamtwerk der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dabei ist er offenbar durchaus befähigt, andere daran zu hindern.

Wir hoffen, dass dieses Vorgehen, welches einem Vergessen Rudolf Rockers Vorschub leistet, allen mit dem Thema vertrauten Einzelpersonen, Forschungseinrichtungen und auch den Nachkommen Rockers zu Gehör kommt, und diese daraus entsprechende Konsequenzen ziehen werden.

Wir erklären uns ausdrücklich mit allen solidarisch, die aufgrund von Rocker-Publikationen durch Klagen betroffen sind. Rudolf Rocker gehört der progressiven Menschheit und keinem Privatkläger.

Institut für Syndikalismusforschung, Bremen, Juni 2011

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Kaperfahrt nach Palmares

Oliver Steinke trat bereits in der Vergangenheit mit guten historischen Romanen in Erscheinung. Immer bildeten dabei soziale Kämpfe und das Streben nach Freiheit den Hintergrund.

Auch in seinem neuen Roman führt uns der Autor in eine abenteuerliche Zeit – aus dem irischen Unabhängigkeitskrieg geht es direkt in die Piratenwelt der Karibik.

Das Buch ist die erste Veröffentlichung des 2011 in Neustadt an der Weinstraße gegründeten Dutschke-Verlages. Schon der Titel “Kaperfahrt nach Palmares, oder die wahre Geschichte des irischen Piraten Hugh O Driscoll” erinnert an Sensations- und Kolportageromane vergangener Zeiten – und die Handlung ist dabei nicht weniger abenteuerlich.

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“DIE TODTENFELDER VON SIBIRIEN” – Bakunin läßt grüßen (aktualisiert am 31.03.2011)

Fünfmal klopfte Bakunin an die eiserne Tür...

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts mit einer Blütezeit bis zum ersten Weltkrieg und später bis in die 60-er Jahre des 20. Jahrhunderts hinein, fand in Deutschland eine eigenartige und heute nahezu vergessene Literaturgattung weite Verbreitung – der Kolportageroman.

Der Kolportageroman erschien in Fortsetzungen, die ein bis dreimal wöchentlich in Zehnpfennigheften vertrieben wurden – einem Preis, der im Gegensatz zu gebundenen Gesamtwerken auch für die unteren Schichten erschwinglich war. Fortsetzungsromane fanden sich daher in jedem Haushalt. Der Vertrieb wurde mobil, durch Hausierer realisiert, wodurch sich auch der Name “Hintertreppenroman” einbürgerte. Es handelte sich um Massenliteratur, die Qualität des Druckes und des Papieres war zudem schlecht, so dass sich die in gewaltigen Auflagen produzierten Werke schnell abnutzten. Auch wurden sie im häuslichen Gebrauch zweckentfremdet – d.h. sie wurden nach der Lektüre, gleich Zeitungen heute, für diverse praktische Zwecke eingesetzt. So hat sich kaum ein Werk bis heute erhalten können. War die schlechte Produktionsqualität ein Makel dieses Lesestoffes, so war die soziale Brisanz ein weiterer.

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Alexander Graf Stenbock-Fermor – Kurzbiografie

geb. 30.01.1902 in Nitau, gest. am 08.05.1972 in Westberlin

Alexander Stenbock-Fermor als junger Schiftsteller (Umschlag seines ersten Buches "Meine Erlebnisse als Bergarbeiter")

Alexander Stenbock-Fermor, ein Großneffe von Peter Kropotkin, arbeitete zu Beginn der 20-er Jahre als Bergarbeiter im Ruhrgebiet. Hier in Hamborn, damals einer syndikalistischen Hochburg, sammelte er den Stoff für sein erstes Buch – “Meine Erlebnisse als Bergarbeiter”. Die Position Stenbock-Fermors wandelte sich mit der Zeit. Nahm er am Russischen Bürgerkrieg noch als überzeugter Weißgardist teil, machte er in der deutschen Emigration eine Wandlung zum Kommunisten durch. Anfang der 30-er Jahre vertrat er die nationalbolschewistische Linie der KPD, während des Nationalsozialismus bewahrte er nach Möglichkeit eine oppositionelle Haltung, und ergriff nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Partei für die Entwicklung in der entstehenden DDR. Die politische Wandlung Stenbock-Fermors zieht sich auch durch sein literarisches Werk, und ist damit für die Syndikalismusforschung von Interesse.
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Mary Wollstonecraft, die Verfechterin der “Rechte der Frau”

“Allein der Sozialismus arbeitet mit falschen Mitteln, wenn er die Wohlhabenden und Gebildeten zu dem geistigen und bürgerlichen Proletariate herabzuziehen sucht, und ebenso die Emanzipation, die Miene macht, den Mann in seinen Rechten zu verkürzen zu Gunsten des Weibes. Immer empor! laute die Losung. Schafft kein Volk von Tölpeln und Knechten, sondern lauter Freie, lauter Gebildete, lauter Herren; und im Weibe keine Konkurrentin des Mannes, sondern seine rechtschaffene Waffenfreundin im Kampfe ums Dasein. Und wahrlich, die Frau wird den Umschwung in ihrem Wesen vollziehen müssen, wenn sie einigermaßen geachtet sein will in einer Zeit, die immer mehr nur das persönliche Verdienst gelten lässt und alles ererbte Gut mit immer wachsendem Misstrauen betrachtet.”
Helene Richter

Erst vor Kurzem wurde die Geschichte von Helene Richter und ihrer Schwester Elise aufgearbeitet. Unter dem Titel “Bücherspuren, Das Schicksal von Elise und Helene Richter und ihrer Bibliothek im Dritten Reich”, erschien im letzten Jahr die zweite Auflage dieser Forschungsarbeit (1). Allen an der Geschichte dieser beiden hervorragenden Frauen Interessierten, sei dieses Büchlein ans Herz gelegt.

Gerade Helene Richter hat einen bedeutenden Beitrag zur Erforschung der frühen libertären Denker in England geleistet – doch ihr Tod im KZ Theresienstadt 1942 hat sie für längere Zeit dem Vergessen anheim gegeben. Aus ihrer Feder entstammen ausgezeichnete deutschsprachige Biografien der Dichter William Blake, Percy Bysshe Shelley und Lord Byron. Hier soll nun eine der ersten deutschsprachigen Biografien von Mary Wollstonecraft zugänglich gemacht werden. Sie erschien im Sommer 1897 in den von Engelbert Pernersdorfer herausgegebenen Monatsheften “Deutsche Worte”:

Helene Richter: Mary Wollstonecraft, die Verfechterin der “Rechte der Frau”

(1) Hoffrath, Christiane: Bücherspuren. Das Schicksal von Elise und Helene Richter und ihrer Bibliothek im »Dritten Reich«, Böhlau Verlag, 2. durchgesehene und ergänzte Auflage, Wien 2010
ISBN: 9783412206512

Link zum Gedenkblog für Helene und Elise Richter

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Wie haben würdige Seelsorger dem einreissenden Geist der Freyheit, und den Aposteln der Anarchie entgegenzuwirken?

Um dem geneigten Leser und der geneigten Leserin die Möglichkeit zu geben, sich die köstliche Jesuitenschrift von Joseph Anton Weissenbach selbst zu Gemüte zu führen, wird sie hier in der Erstausgabe von 1793 zugänglich gemacht. Viel Spaß!

Wie haben würdige Seelsorger dem einreissenden Geist der Freyheit, und den Aposteln der Anarchie entgegenzuwirken?

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